Bockshornsamen und BockshornkleeBockshornsamen und BockshornkleeBockshornsamen und BockshornkleeBockshornsamen und Bockshornklee
Heilkunde

Volksheilkunde

Erst durch Pfarrer Kneipp wurde die Verwendung des Bockshornklees wieder neu belebt. Durch die starke Nachfrage setzte wieder ein neuerlicher Anbau ein. Kneipp lobte diese Heilpflanze bei jedem Anlass sehr und setzte sich auch stets für deren Anbau ein. Kneipp sagte:

"Foenum graecum ist das beste von allen mir bekannten Heilmitteln zum Auflösen von Geschwülsten und Geschwüren."

Kneipp schrieb:

Die Samen wirken entzündungshemmend, erweichend und aufsaugend; die gereinigten Wunden heilen sehr bald zu. Die Bockshornsamen wirken so eiterentziehend, dass Blutvergiftungen verhindert werden, ebenso die Bildung wilden, faulen Fleisches.

Der zu Pulver feingeriebene Samen wird in Form von Breiumschlägen angewendet, die möglichst warm aufgelegt werden sollen. Diese warmen Breiumschläge lindern die gichtischen Schmerzen sowie Neuralgien, Ischias, Drüsenanschwellungen, ja sogar verhärtete skrofulöse Knoten der Brust werden nicht nur wohltuend, sondern heilend beeinflusst. Selbst die schlimmsten Furunkel, Fistelbildungen, Knocheneiterungen, offene Füße, Oberschenkelgeschwüre und Tumore werden geheilt. [2] [4]

Auch innerlich wird der Bockshornkleesamen für eine Reihe von Erkrankungen angewendet, allein oder zusammen mit anderen Heilpflanzen. Zum innerlichen Gebrauch wird der Samen am besten kalt angesetzt.

Man lässt ihn einige Stunden ziehen, seiht nach ganz kurzem Aufkochen sogleich ab und süßt diesen mit Honig. Dieser Tee, 2 bis 3 Tassen am Tage schluckweise getrunken, reinigt die Brust vom zähen Schleim, nimmt die Appetitlosigkeit der Kinder und der Erwachsenen, beseitigt Schwäche und Magerkeit und nimmt den so genannten "Geruch der Kranken", der bei längerer Krankheit durch die Haut ausdünstet.

Ferner leistet der Tee sehr gute Dienste bei Rachitis der Kinder, Skrofulose, Lungen-, Knochen- und Gehirntuberkulose und bei Hinfälligkeit durch vorgeschrittene Zuckerkrankheit. Da die Abwehrkräfte im Körper gesteigert werden und der Tee blutreinigend wirkt, dient dieser im Verein mit warmen Breiumschlägen sogar zur unterstützenden Behandlung bei Hauttuberkulose und Lupus erythematodes, einer tuberkulösen Hautkrankheit.

Als Gurgelwasser wirkt der Tee hervorragend bei allen entzündlichen Vorgängen des Rachens und der Mundschleimhaut [1] [2] [4]

Weitere Anwendungen nach Willfort, die sich teilweise aus alten Geschichtsbüchern wiederholen, aber auch nach neueren Erkenntnissen: [2]
Bockshornklee wird äußerlich als Samenaufguss bei Haarschwund und Erbgrind in Form eines Badewassers mit Erfolg angewandt. Dieses darf aber nie zweimal benützt werden sondern muss stets neu zubereitet werden. Der zerstoßene Samen, mit Olivenöl zu einem Brei vermengt und damit die Kopfhaut oft und gründlich eingerieben, unterbricht den Haarausfall und lässt neue Haare wieder wachsen, wenn nicht tiefere Ursachen den Haarausfall auslösten.

Der innerliche und äußerliche Gebrauch wird bei Hämorrhoiden empfohlen, besonders die warmen Breiumschläge wirken schmerzstillend. Der gepulverte Samen, innerlich eingenommen, bringt bei verschiedenen Knochenerkrankungen der Kinder, so bei Schwund der Knochensubstanz, Knochengeschwulst oder bei Knochenmarksentzündung gute Erfolge. Der Tee wird bei Erkältungen, mit Honig gesüßt, gerne eingenommen, er wirkt hustenlindernd und schleimlösend.
Klistiere werden angewendet (in Form eines sehr schleimigen Tees) bei Aftervorfall, hartnäckigster Darmverstopfung, ja selbst bei Darmtuberkulose und bei Mastdarmkrebs.





Zur Beseitigung übermäßiger Magerkeit empfiehlt die Volksheilkunde nachstehende Kur:

„Man nehme durch einige Wochen 3mal täglich zwischen den Hauptmahlzeiten einen Brei, bestehend aus je 1 Teelöffel Butter und Honig und 2 Teelöffel Samenpulver, alles gut vermengt.“

Der Bockshornsamen wird auch als ein gutes Mittel gegen Milzerkrankungen geschätzt. Die Volksheilkunde empfiehlt nicht nur den Teegenuss (schluckweise 2 bis 3 ungesüßte Tassen am Tage), sondern auch bei Schmerzen in der Milzgegend die Auflage eines warmen Breiumschlages.
Der schleimige Tee als Fußbad täglich genommen, ist ein sehr gutes Hausmittel bei Schweißfüßen oder als Handbad bei Schweißhänden [2] [25].

Hier verweisen wir auch auf die Iontophoresetherapie bei Hyperhidrose, also sehr starkem Schwitzen.

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Wirkung und Anwendung

Hier wird im Folgenden aus mehreren anerkannten Fachbüchern berichtet, die sich teilweise wiederholen:

Ähnlich wie bei den Galactomannanen des Guar könnte durch den Schleim die Diffusionsschicht auf den Mucosazellen verdickt und die Resorption der Nahrungsstoffe verzögert werden. Das gleiche Wirkprinzip dürfte auch den nachgewiesenen hypocholesterinämischer Effekten zugrunde liegen. Bei normalen und hypercholesterinämisch gemachten Ratten, deren Nahrung zur Hälfte aus Bockshornsamen bestand wurde der Serumcholesterinspiegel auf die Hälfte gesenkt. Zur Nahrung zugegebener entfetteter Samenextrakt verhinderte bei Verabreichung vor hypercholesterinämischer Nahrung eine Erhöhung des Cholesterinspiegels. Die Lipidfraktion und Trigonellin zeigten diese Wirkung nicht. Für Foenugraecin wird eine hypoglykämische Wirkung diskutiert; es soll auch virustatische, antiphlogistische und kardiotone Eigenschaften haben. Desgleichen wirken auch Steroidsaponine antiphlogistisch und antimikrobiell. Für wässrige Extrakte des Samens wurde eine stimulierende Wirkung auf den Uterus und den Darm sowie eine positiv chronotrope Wirkung auf das Herz nachgewiesen . Der Nicotinsäureamidgehalt ist für eine Antipellagra-Wirkung zu gering; ein Provitamincharakter von Trigonellin ist wenig wahrscheinlich und wird unterschiedlich bewertet [4] [39].

Der Droge wird eine Antipellagrawirkung zugeschrieben (evtl. über Trigonellin, da der Gehalt an Nikotinsäureamid zu gering ist). Ferner wird über eine blutzuckersenkende Wirkung von oral zugeführten Präparaten berichtet. Die der Droge zugeschriebenen galaktagogen Eigenschaften sollen durch einen im Unverseifbaren des fetten Öls enthaltenen, in W. und A. unlöslichen Laktationsfaktor bedingt sein. Es wurde eine deutliche Besserung des Allgemeinbefindens, Zunahme des Körpergewichts, bessere Eiweißausnutzung, Beschränkung der Phosphorausscheidung und mäßiges Ansteigen der Erythrocytenzahl beobachtet. Nach ABDO und AL.KAFAWI (Planta med. 17, 14 (1969)) wirken Samenextrakte anregend auf den Uterus und Darm beim Meerschweinchen und beschleunigen den Herzschlag. [4]

Wegen seines Gehaltes an Bitterstoffen, Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten, verstärkt durch die resorptionsfördernde Wirkung der Saponine innerlich (esslöffelweise mehrmals täglich eingenommen) als Roborans bei Skrofulose, tuberkulösen Knochenerkrankungen der Kinder, Osteomyelitis u. a., und in der Rekonvaleszenz. Der unangenehme Geruch lässt sich durch Ol. Citri oder Ol. Menthae verdecken [1] [2] [4].

Weitere Wirkungen: Auf Grund des aromatischen, leicht bitteren Geschmacks der Bockshornkleesamen ist appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung anzunehmen. Bei Aufnahme größerer Mengen der zerkleinerten Samen, z. B. als Stärkungsmittel, sind Verdauungsstörungen auf Grund des Gehaltes an Proteinaseinhibitoren denkbar. Ob die Proteinaseinhibitoren beim Kochen zerstört werden, wurde bisher nicht untersucht.
Durch Gabe protein- und fettfreier Samenextrakte (Gehalt an Saponinen 12,5%, an 4,5-Dimethyl- 3-hydroxy-2(5H)-furanon 0,002%, 10 oder 100 mg/300 g KG pro Tag im Futter, über 14 d) konnte bei Ratten Steigerung der Nahrungsaufnahme um 20% hervorgerufen werden]. Isolierte Saponine (12,5 mg/300 g KG) hatten den gleichen Effekt. Bei Ratten wurde nach Gabe von Bockshornkleesamenpulver (50 bzw. 200 mg/Tier, p.o.) eine Förderung des Galleflusses um 29 bzw. 35% nachgewiesen.

Die Droge wirkt antiulzerogen. Durch die Verabreichung wässriger Extrakte wurde die Heilung von Magengeschwüren bei Ratten gefördert.
In Tierversuchen und beim Menschen erniedrigten Gaben von Bockshornkleesamen den Blutzuckerspiegel. Beispielsweise konnte bei nicht insulinpflichtigen Diabetikern der Blutzuckerspiegel bei Zusatz von 15 g Bockshornkleesamenpulver zur Mahlzeit um 25%, bei insulinpflichtigen Diabetikern bei 2-mal 50 g Bockshornkleesamenpulver täglich um 20% gesenkt werden. Ähnlich wie andere Schleimdrogen erhöht die Droge die Viskosität des Darminhaltes und verzögert somit durch Verringerung der Diffusionsgeschwindigkeit der Nahrungsbestandteile die Resorption. Dadurch wird das Auftreten von Glucosekonzentrationsspitzen im Blut nach der Nahrungsaufnahme verhindert. Die an Schleimstoffen reiche Endospermfraktion der Samen ist daher am wirksamsten. Proteine und Saponine sind für die Wirkung ohne Bedeutung. Ethanolische Extrakte (von Schleimstoffen frei!) sind ohne Effekt.





In Tierversuchen und beim Menschen senkten die Bockshornkleesamen den Lipid- und Cholesterolspiegel des Blutes. Auch isolierte Saponine (12,5 mg/300 KG pro Tag, p.o.) erniedrigten bei Ratten den Blut-cholesterolspiegel. Vermutlich verhindern die Saponine durch Komplexbildung mit dem Cholesterin dessen Resorption und durch Reaktion mit Gallensäuren deren Rückresorption. Nach Gabe von täglich 2-mal 50gr. Bockshornkleesamenpulver war bei Diabetikern und Menschen mit erhöhten Blutfettwerten nach 10 bis 20 Tagen der Cholesterolspiegel um etwa 25%, der DL- bzw. VLDL-Spiegel um 30% und der Triacylglycerolspiegel um 18 bzw. 28% gesenkt. Der HDL-Spiegel blieb unverändert.
Bei diabetischen Ratten wurde die im Vergleich zu gesunden Tieren gesteigerte Lipidperoxidation im Blut durch Gabe von Bockshornkleesamen verringert und die Konzentration an im Blut zirkulierenden Antioxidanzien erhöht.
Bei Ratten, die mit einer 3 % Glykolsäure enthaltenden Diät gefüttert wurden, die zur Ablagerung von Calciumoxalat in den Nieren führt, konnte diese Ablagerung durch Gabe von Bockshornkleesamen (500 mg/kg KG, p.o., über 4 Wochen) reduziert werden.
Saponine der Droge und Foenugraecin wirken antiphlogistisch. [21]

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Anwendung beim Menschen

Die Anwendung von Bockshornkleesamen beim Menschen ist so vielfältig, dass es schwer fällt, Schwerpunkte für irgendwelche Krankheitsbilder herauszufinden. Bei einigen Autoren wiederholen sich Anwendungen und Rezepte.

Auf die Anwendungen aus alten Geschichtsbüchern wurde bereits eingehend berichtet. Als Haarpflegemittel wird es noch bei anderen Autoren [9] sowie auch in einem Patent aus Großbritannien [11] erwähnt. Arabische Ärzte lehrten, dass sich nach Anwendung einer Abkochung von Bockshornkleesamen die Haare locken, dem entgegen steht die Mitteilung, dass es Haare entfernt [9]. Im englischen Patent [11] geht es allgemein um Kosmetika für das Haar und die Haut, wobei die Partikel der pulverisierten Pflanzen nicht größer als 125µ sein dürfen. Unter den vielen Pflanzen, die als verwendbar für solche Kosmetika genannt werden, wird unter anderem auch Bockshornklee als entzündungshemmende Pflanze erwähnt. In der Rezeptur Nr. 8 wird eine Emulsion für trockene Haut mit 12% Anteil an pulverisiertem Bockshornsamen beschrieben.

Der Samen, zubereitet als Breiumschlag, wird als schmerzstillendes Mittel äußerlich empfohlen. Dies könnte im Einklang damit stehen, dass Einreibungen von Bockshornkleesamen gegen Müdigkeit und Abgespanntheit wirken [1]. Zu erwähnen ist weiterhin der Einsatz als Badezusatz bei Frauenkrankheiten [9] [33].
Heilende Wirkung wird dem Bockshornkleesamen auch bei Kropf zugesagt, wobei breiige Umschläge zur Anwendung kommen. Dazu werden 3 - 4 Esslöffel Bockshornkleesamen mit Wasser 5 Minuten zu einem Brei gekocht. Zur Erhöhung der Wirksamkeit kann auch etwas Essig zugesetzt werden. Der so erhaltene Brei ist salbenartig auf eine Leinwand aufzutragen. Sebastian Kneipp schreibt in seinem großen Kneippbuch, dass bei Mastdarmvorfall und Mastdarmkrebs ein Klistier aus Bockshornkleesamen vorzüglicher wirke als ein solches aus Eichenrindentee. 1 - 2 Esslöffel Bockshornkleesamen werden dazu in 3/4 Liter Wasser aufgekocht. Diese Rezeptur kann auch bei Hämorrhidalleiden bzw. Waschungen und Fußbädern (bei Schweißfüßen) genommen werden [1] [2].

Auch in Europa (Pahlow) wird Bockshornklee-Samen heute noch als Breiumschlag gegen eitrige Zellgewebsentzündungen und Lymphknotenerkrankungen angewendet. Äußerlich in Form von hyperämisierenden Kataplasmen bei Furunkeln, Karbunkeln, Geschwüren, Ulcus cruris, Drüsensehwellungen, entzündlichen Verhärtungen, Ekzemen und eitrigen Wunden. Zu Gurgelungen bei Angina und Halsentzündungen.[4] [38]

Die innerliche Anwendung von Bockshornkleesamen ist nahezu genauso vielfältig wie die in den vorigen Kapiteln beschriebene äußerliche Anwendung.

Stärkungsmittel: Bei Osteomyelitis (=infektiöse Entzündung des Knochenmarks) und tuberkulösen Knochenerkrankungen bei Kindern, bei verschiedenen Formen der Tuberkulose, bei Rachitis, Skrofulose (=Halsdrüsengeschwulst), Zuckerkrankheit, bei Appetitlosigkeit, Magersucht und allgemeiner Schwäche wird von mehreren Autoren als Einsatzgebiet beschrieben [1] [2] [4] [7]. Nach Stählin beruht die Wirkung des „Dickmachens“ auf einer Erhöhung der Herztätigkeit durch das Kumarin. Nach Pahlow wird der Samen auch heute noch zur Anregung der Milchabsonderung genutzt. [38]

Im Lehrbuch der Biologischen Heilmittel von Madaus [1] wird erwähnt, dass P. Blum in der Apotheker-Zeitung 1928 berichtet, dass nicht selten Kranke im Laufe eines Monats 2 - 4 Pfund zunahmen. Man beobachtet Vermehrung der Erythozyten, bessere Ausnutzung der Eiweißstoffe und Beschränkung der Phosphorausscheidung. Ein Teelöffel eines Extraktes in 2 Glas Wasser tagsüber getrunken soll hervorragend als Stärkungsmittel wirken.

Nach Pahlow wird in Europa heute noch der Bockshornsamen als Stärkungsmittel eingesetzt. Ebenso ist als Stärkungsmittel ein Bockshornkleesamenextrakt in Frankreich unter dem Handelsnamen Fenugreek erhältlich.

Über den Einsatz als allgemein schmerz- und hustenlinderndes Mittel sowie bei Verschleimung der Lunge und Atemwege und bei Mandelentzündungen wurde in der Kategorie „Geschichtliches und Volksheilkunde ausführlich berichtet. Weiterhin empfiehlt die Volksheilkunde den Bockshornsamen innerlich als Mucilaginosum bei Katarrhen der oberen Luftwege sowie, esslöffelweise als Pulver mehrmals täglich, als Roborans. [1] [38] [39] P. Fläming (siehe 1) empfiehlt als Gurgelwasser bei Halsgeschwüren ein Gemisch aus den Kräutern Hirtentäschel, Sanikel, Knöterich und Bockshornkleesamen. Eine Wirkung bei Asthma [9] wird hier erwähnt.

Nach Pahlow wird der Samen als Tee gegen chronischen Husten heute noch empfohlen. [38]

Bei Madaus und Willuhn [1] [4] [25] [39] [40] wird über gelegentlichen Einsatz bei Magen- und Darmbeschwerden sowie bei Ulcus ventriculi (=Magengeschwür) berichtet. Für oral verabreichte wässrige Extrakte wurde an Ratten eine Förderung der Heilung von Magenulzera nachgewiesen [39]. Die Erwähnung als Milzmittel hängt vielleicht mit der beobachteten Vermehrung der Erythrozyten zusammen.

Aus der ungarischen Volksmedizin ist der Einsatz gegen Darmleiden und Koliken bekannt [1]. Die Anwendung bei Gastritis ist der entzündungshemmenden Wirkung zuzuschreiben.
In der Offenlegungsschrift des Deutschen Patentamtes 20 62 080 [7] ist Bockshornkleesamen Bestandteil eines mineral-vegetabilen Medikamentes zur Behandlung der Struma (=Drüsenschwellung/Kropf). Es handelt sich hierbei um ein Medikament in der Form „zum Schlucken bestimmter Konfitüre“, die u.a. Honig, Wachholderbeeren, Zimt, Eisenoxydhydrat, Johanniskrautblüten, einem Extrakt aus Schalen bitterer Apfelsinen und natürlich Samenkörner von Bockshornklee enthält. Letzteres dient als Aufbaumittel für den Allgemeinzustand und zur Stärkung der Gallenausscheidung.

In einer weiteren Offenlegungsschrift [5] wird über klinische Ergebnisse über die Senkung des Blutalkoholgehaltes auf die Hälfte bei Gabe von 10 g Bockshornkleesamen berichtet. Weiter wird aufgeführt, dass bei Patienten mit toxischer Leberschädigung nach täglicher Gabe einer Zubereitung aus 10 g Bockshornkleesamen die pathologischen Leberwerte (Y-GT; SGOT und SGPT) deutlich gebessert waren.

"German Bitter" wird ein alkoholisches Bittergetränk genannt, das im Jahre 1869 in USA zum Patent angemeldet wurde. Die Zutaten sind u.a.: Anis, Orangenschalen, Bockshornkleesamen und Enzian. „German Bitter“ verspricht Hilfe gegen Rheuma, Durchfall, Darmbeschwerden, Verdauungsbeschwerden, Fieber, Depressionen, Reduzierung der Wirkung des Alkohols in wenigen Minuten und noch mehr. [12]

In Indien wird der Samen als Aromaticum, Carminativum, Tonikum und Aphrosidiacum, als Infus (= Aufguss) bei Pocken zur Kühlung eingesetzt. Bei der einheimischen Bevölkerung Ägyptens bei „Pellagra“ (=Erkrankung, die durch einen Mangel an Vitamin B3 (=Niacin) ausgelöst wird). In der nordafrikanischen Medizin wir er als Anthelminticum und Purgans eingesetzt; ein Infus der gerösteten Samen soll bei „Dysenterie“ (=bakterieller Durchfall) helfen. Ferner findet man Hinweise des Einsatzes als Insektizid.
Die Droge hat antimikrobielle, cholesterol- und blutzuckersenkende sowie appetitanregende Eigenschaften [4].
In der englischen medizinischen Zeitschrift Lancet wird in der Ausgabe vom 16. September 1967 in einem Brief an den Herausgeber [13] berichtet, dass der Bockshornkleesamen eine Blutzucker senkende Wirkung hat, die dem Inhaltsstoff Trigonellin zugeschrieben wird. Viele Yemeniten in Israel nutzten diesen therapeutischen Effekt, der zuerst von Fournier im Jahre 1948 beschrieben wurde.
Bockshornsamen zeigen in vive im Tierversuch und in humanpharmakologischen sowie klinischen Studien cholesterol- und blutzuckersenkende Eigenschaften. Nach der Einnahme der Droge wird dosisabhängig der Gesamtcholesterolspiegel gesenkt, wobei LDL-, VLDL- und Triglycerid-Werte abnehmen, der HDL-Wert aber unverändert bleibt. Diese Effekte waren vor allem bei saponinreichen Extrakten zu beobachten. Auch fasereiche Extrakte zeigten signifikante cholesterolsenkende Wirkungen. [4]
Durch Einnahme der Droge wurden die Glucosespiegel nüchtern und postprandial gesenkt. Auch der HbA1C-Wert wurde reduziert. [4] Eine weitere Veröffentlichung zur diesem Thema findet man im Journal of Food Engineering der Universität of Gaziosmanpasa, 60240 Tasliciftlik, Tokat, Türkei 71 (2005) 37-43 [21] [38].

Wie bei vielen Naturheilmitteln ist die Liste der Indikation durch die erwähnten noch nicht erschöpft. In Afrika wird es als Aphrodisiakum eingesetzt [8]. Heute noch wird in den Ländern des Nahen Ostens und in anderen Entwicklungsländern Bockshornklee bei chronischen Erkältungen Drüsenschwellungen, Koliken, Furunkeln und ähnlichen Krankheiten angewendet. [2] [4] [38]

Antimikrobiel/es Spektrum, empfindliche Erreger
Ein saponinreicher ethanolischer Trockenextrakt von Bockshornsamen hemmt das Wachstum von Pilzen (Candida sp.) und Bakterien (Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus, Streptococcus faecalis) mit einer MHK50 von 1,25%. Isoliertes Fenugreekin hemmt die Replikation von Vacdnia Virus [4].

Antimikrobie/es Spektrum, mäßig empfind. Erreger
Ein ethanolischer Extrakt der Droge zeigt geringe antibakterielle Wirkungen gegen Bordatella bronchiseptica, Bacillus cereus, B.pumilis, B.subtilis, Micrococcus flavus, Staphylococcus aureus, Sarcina lutea, Escherichia coli und Proteus vulgaris [4].

Im Anschluss werden alle genannten Wirkungen nochmals in Kurzform aufgeführt:

Zur inneren Anwendung:

  • Ausscheidungskuren bei Gonorrhöe, Gicht, Rheuma
  • bei Zungenlähmung nach Schlaganfall
  • klärt die Stimme
  • verbessert den Geruch des Atems
  • hilft bei Blasenkrankheiten
  • hilft bei Myalgien (=Muskelschmerz)
  • wirkt lindernd bei Lymphadenitis, Unterstützend zu einer Diät bei der Behandlung der Hypercholesteroiämie [4]
  • bei Lungentuberkulose, Lungenemphysem und Erstickungsanfällen [1]
  • bei Brustverschleimung und Husten [1] Mucilaginosum bei Katarren der oberen Luftwege [21] [25]
  • für die Milz [1] [4] [25]
  • bei Fieber, Magen- und Darmbeschwerden und Ulcus ventriculi [4] [21]
  • nimmt Appetitlosigkeit; (Tagesdosis 6 g der zerkleinerten Droge oder galenische Zubereitungen) [2] [21]
  • bei Rachitis bei Kindern
  • bei Skulfulose
  • Gehirntuberkulose, Hinfälligkeit
  • zur Senkung des Blutzuckerspiegels bei Diabetikern. [4] [21] [25]
  • Steigert die Abwehrkräfte
  • Blutreinigend
  • Hauttuberkulose, Lupus
  • Homöopathie: Erkältungskrankheiten, Grippe, Blutreinigend [2]
  • Stärkung der Gallenausscheidung [7], besserer Gallenfluss [21]
  • Senkung des Alkoholspiegels [5]
  • Wirkt toxischen Leberschädigungen entgegen [5]
  • Aphrosidiacum [4] [8]
  • Antimikrobielle Eigenschaften [4]
  • Lipid- und Cholesterolspiegelsenkende Eigenschaften [4] [21]
  • Einsatz bei Nervenkrankheiten [25]
  • Bei Lebererkrankungen [25]
  • In der Rekonvaleszens, Stärkungsmittel, wirkt Aufbauend [4] [21] [25]
  • Förderung der Milchproduktion der Brustdrüsen [21]
  • Bockshornkleesamendiät zur Nierensteinprophylaxe [21]
  • gesteigerte Lipidperoxidation im Blut wurde durch Gabe von Bockshornkleesamen verringert und die Konzentration an im Blut zirkulierenden Antioxidanzien erhöht [21]
  • wirken antiphlogistisch - entzündungshemmend
  • wird bei Pellagra (=Mangel an Vitamin B3) eingesetzt [25]
  • positive chronotrope Wirkung auf das Herz [39]
  • stimulierende Wirkung auf den Uterus und den Darm [39]

Zur äußeren Anwendung:

  • von einer Abkochung zur Zerteilung von Geschwüren [1] [31]
  • des Samens äußerlich bei Hämorrhidalbeschwerden [1] [2]
  • eines Breies als Umschlag auf Geschwülste [1]
  • zur Heilung von Wunden [1] Breiumschlag bei lokalen Entzündungen (50 g auf 250 ml Wasser, 5 Minuten kochen und warm auftragen [21]
  • gegen eitrige Wunden jeder Art, Furunkel und Karbunkel, daher Hilfe gegen Blutvergiftung. [1] [4]
  • gegen Milben und Kopfschuppen [1] [38]
  • gegen eitrige Zellgewebsentzündungen und Lymphknotenerkrankungen [38]
  • gegen Furunkel, Ulcera und Ekzeme [1] [4]
  • als Salbe zur Reinigung des Hauptes [38]
  • mit Rosenöl gesotten gegen unreine Haut und zur Hautverjüngung [1]
  • als Breiumschlag gegen gichtische Schmerzen, Neuralgien, Ischias, Drüsenanschwellungen, verhärtete skrofulöse Knoten in der Brust, Fistelbildungen,Knocheneiterungen, offene Füße, Oberschenkelgeschwüre und Tumore. [1] [2] [4]
  • ein schleimiger Tee gegen Fuß- und Handschweiß [1] [2]
  • als Pflaster gegen Milzschwellung [1] [4] [25]
  • als Einreibung gegen Kropf [2]
  • zum Gurgeln bei entzündliche Rachen, der Mundschleimhaut, Angina und Mandelentzündung [1] [4]
  • mit Olivenöl gegen Haarausfall und für Haarneuwuchs. [1]
  • Als Klistiere bei Aftervorfall, bei Verstopfung, Darmtuberkulose, Prolapsus ani und bei Mastdarmkrebs. [1]
  • Panaritium, [1]
  • Bei Blähungen in den Dünndarm eingeführt [25]
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Anwendung in der Homöopathie

In der Homöopathie wird eine vorzügliche Tinktur hergestellt, die innerlich gegen Hämorrhoiden, Erkältungskrankheiten, Grippe und zur Blutreinigung dient und äußerlich zur Wundenbehandlung angewendet wird. [4] [2]

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Nebenwirkungen - Toxikologie

Die einzige Nebenwirkung über die in der Literatur berichtet wird, ist ein unangenehmer Geruch hervorgerufen durch Hautausdünstungen bei normalem Gebrauch als Gewürz oder Gemüse [1] [31].

In neuesten Untersuchungen ist folgendes zu lesen: [40]

Tiertoxikologie:

akute Toxizität
Die orale LD50 von Bockshornsamen für die Ratte liegt bei über 5 g/kg Körpergewicht. Für die einzelnen Bestandteile wurden folgende Werte ermittelt: Trigonellin 5 g/kg, Scopoletin 3,8 g/kg, Cumarin 0,72 g/kg.

chronische Toxizität
Die Langzeitgabe von Dosen, die bis zu dem 4-fachen der therapeutischen Dosis entsprechen, führte bei Ratten zu keinen toxischen Veränderungen.

Teratogen, Embryo-/Fetotoxikologie
Tierversuche an Ratten liefern widersprüchliche Ergebnisse. Während in einer Studie teratogene Effekte mit Deformationen des Fetus beobachtet wurden, konnte dies in anderen Versuchen mit zum Teil höheren Dosen nicht belegt werden. Zur Klärung sind weitere Studien notwendig [4]

Toxikologie:
Bei Anwendung der als Gewürz üblichen Dosen des Bockshornkleesamens und -krautes besteht nach bisherigen Erkenntnissen keine akute oder chronische Toxizität.
Das Sensibilisierungspotential ist gering. In der Literatur werden jedoch 2 Fälle schwerer allergischer Reaktionen beim Einatmen von Bockshornkleesamenpulverstaub und nach äußerlicher Anwendung von Bockshornkleesamenbrei zur Behandlung von Kopfschuppen beschrieben.

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Anwendung beim Tier

Auch die Tiermedizin bedient sich des Bockshornkleesamens zur Wundenbehandlung, besonders offener eitriger Wunden sowie zur Behandlung von Ekzemen, Geschwüren, Furunkeln und Krätzen.
So ist auch Bockshornkleesamen ein wesentlicher Bestandteil der „Fresspulver“ für die Mast von Schlachttieren [2] [4] [21]
Innerlich wird der Teeaufguss gegen den Rotz der Pferde (wurde auch schon in der Schweizer Pharmakopöe erwähnt) sowie gegen Kehlsucht angewendet [1] [31]. Das Samenpulver wird dem Futter beigemengt, um die Fresslust der Haustiere zu steigern.
ü berhaupt, wo Bockshornkleesamen laufend ins Futter beigemengt wird, gibt es gesunde und kräftige Tier. Trotz aller chemischen Pillen und Tabletten haben bei den naturverbundenen Menschen die Heilpflanzen noch immer ihr hohes Ansehen behalten.

Ein alter Bauer sagte einmal dem Autor:

"Drei Heilpflanzen mit Anfangsbuchstaben B sollen auf keinem Bauernhofe fehlen: „Beinwurz, Brennnessel und Bockshornklee. Mensch und Tier bleiben gesund!" [2]

Die frühere Anwendung als Futterpflanze und der Einsatz als Volksmedizin hat bestimmt manchen dazu angeregt, spezielle Tierarzneimittel herzustellen. In einen US-Patent von 1868 [15] wird eine Mischung aus Bockshornkleesamen und anderen Ingredienzien zu "Konditionsverbesserung" von Rindern und anderen Tieren empfohlen. 10 Jahre später wird wiederum als US-Patent [14] eine Rezeptur niedergelegt, die gegen Cholera bei Geflügel wirken soll. Nach weiteren 6 Jahren wird in den USA eine Tierarznei für Rinder angemeldet [30]. Sie wirkt gegen Fieber und Entzündungen der Lunge. Im Jahr 1889 meldete ein Amerikaner beim Patentamt, dass ein bestimmtes Gemisch mit Bockshornkleesamen die Abstoßung der Plazenta bei Haustieren erleichtert [16].
Der appetitanregende Effekt von Bockshornsamen wurde im Tierversuch belegt und ist vermutlich auf die Bitterstoffe und aromatischen Bestandteile zurückzuführen [4].
Die oben erwähnte "Konditionsverbesserung" wurde dann nochmals in einem französischen Patent aus dem Jahre 1975 Nr. 7502277 [18] angemeldet. Durch die spezifische Rezeptur soll auch hier eine Wirkung gegen Tuberkulose und Parasiten erzielt werden.
Im Jahr 1981 wurde das uns letzte bekannte Patent zu diesem Themenkreis in USA angemeldet [17]. Die Indikation ist hier Arthrose bei Hunden. Bei einem Hund wurde dieses Mittel erprobt. Nach 5 Monaten waren die Gelenke nach Röntgenuntersuchungen nahezu normal.





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