Anwendung beim Menschen

Die Anwendung von Bockshornkleesamen beim Menschen ist so vielfältig, dass es schwer fällt, Schwerpunkte für irgendwelche Krankheitsbilder herauszufinden. Bei einigen Autoren wiederholen sich Anwendungen und Rezepte.

 

Auf die Anwendungen aus alten Geschichtsbüchern wurde bereits eingehend berichtet. Als Haarpflegemittel wird es noch bei anderen Autoren [9] sowie auch in einem Patent aus Großbritannien [11] erwähnt. Arabische Ärzte lehrten, dass sich nach Anwendung einer Abkochung von Bockshornkleesamen die Haare locken, dem entgegen steht die Mitteilung, dass es Haare entfernt [9]. Im englischen Patent [11] geht es allgemein um Kosmetika für das Haar und die Haut, wobei die Partikel der pulverisierten Pflanzen nicht größer als 125µ sein dürfen. Unter den vielen Pflanzen, die als verwendbar für solche Kosmetika genannt werden, wird unter anderem auch Bockshornklee als entzündungshemmende Pflanze erwähnt. In der Rezeptur Nr. 8 wird eine Emulsion für trockene Haut mit 12% Anteil an pulverisiertem Bockshornsamen beschrieben.

 

Der Samen, zubereitet als Breiumschlag, wird als schmerzstillendes Mittel äußerlich empfohlen. Dies könnte im Einklang damit stehen, dass Einreibungen von Bockshornkleesamen gegen Müdigkeit und Abgespanntheit wirken [1]. Zu erwähnen ist weiterhin der Einsatz als Badezusatz bei Frauenkrankheiten [9] [33].

 

Heilende Wirkung wird dem Bockshornkleesamen auch bei Kropf zugesagt, wobei breiige Umschläge zur Anwendung kommen. Dazu werden 3 – 4 Esslöffel Bockshornkleesamen mit Wasser 5 Minuten zu einem Brei gekocht. Zur Erhöhung der Wirksamkeit kann auch etwas Essig zugesetzt werden. Der so erhaltene Brei ist salbenartig auf eine Leinwand aufzutragen. Sebastian Kneipp schreibt in seinem großen Kneippbuch, dass bei Mastdarmvorfall und Mastdarmkrebs ein Klistier aus Bockshornkleesamen vorzüglicher wirke als ein solches aus Eichenrindentee. 1 – 2 Esslöffel Bockshornkleesamen werden dazu in 3/4 Liter Wasser aufgekocht. Diese Rezeptur kann auch bei Hämorrhidalleiden bzw. Waschungen und Fußbädern (bei Schweißfüßen) genommen werden [1] [2].

 

Auch in Europa (Pahlow) wird Bockshornklee-Samen heute noch als Breiumschlag gegen eitrige Zellgewebsentzündungen und Lymphknotenerkrankungen angewendet. Äußerlich in Form von hyperämisierenden Kataplasmen bei Furunkeln, Karbunkeln, Geschwüren, Ulcus cruris, Drüsensehwellungen, entzündlichen Verhärtungen, Ekzemen und eitrigen Wunden. Zu Gurgelungen bei Angina und Halsentzündungen. [4] [38]

 

Die innerliche Anwendung von Bockshornkleesamen ist nahezu genauso vielfältig wie die in den vorigen Kapiteln beschriebene äußerliche Anwendung.

 

Stärkungsmittel: Bei Osteomyelitis (=infektiöse Entzündung des Knochenmarks) und tuberkulösen Knochenerkrankungen bei Kindern, bei verschiedenen Formen der Tuberkulose, bei Rachitis, Skrofulose (=Halsdrüsengeschwulst), Zuckerkrankheit, bei Appetitlosigkeit, Magersucht und allgemeiner Schwäche wird von mehreren Autoren als Einsatzgebiet beschrieben [1] [2] [4] [7]. Nach Stählin beruht die Wirkung des „Dickmachens“ auf einer Erhöhung der Herztätigkeit durch das Kumarin. Nach Pahlow wird der Samen auch heute noch zur Anregung der Milchabsonderung genutzt. [38]

Im Lehrbuch der Biologischen Heilmittel von Madaus [1] wird erwähnt, dass P. Blum in der Apotheker-Zeitung 1928 berichtet, dass nicht selten Kranke im Laufe eines Monats 2 – 4 Pfund zunahmen. Man beobachtet Vermehrung der Erythozyten, bessere Ausnutzung der Eiweißstoffe und Beschränkung der Phosphorausscheidung. Ein Teelöffel eines Extraktes in 2 Glas Wasser tagsüber getrunken soll hervorragend als Stärkungsmittel wirken.

 

Nach Pahlow wird in Europa heute noch der Bockshornsamen als Stärkungsmittel eingesetzt. Ebenso ist als Stärkungsmittel ein Bockshornkleesamenextrakt in Frankreich unter dem Handelsnamen Fenugreek erhältlich.

 

Über den Einsatz als allgemein schmerz- und hustenlinderndes Mittel sowie bei Verschleimung der Lunge und Atemwege und bei Mandelentzündungen wurde in der Kategorie „Geschichtliches und Volksheilkunde ausführlich berichtet. Weiterhin empfiehlt die Volksheilkunde den Bockshornsamen innerlich als Mucilaginosum bei Katarrhen der oberen Luftwege sowie, esslöffelweise als Pulver mehrmals täglich, als Roborans. [1] [38] [39] P. Fläming (siehe 1) empfiehlt als Gurgelwasser bei Halsgeschwüren ein Gemisch aus den Kräutern Hirtentäschel, Sanikel, Knöterich und Bockshornkleesamen. Eine Wirkung bei Asthma [9] wird hier erwähnt.

 

Nach Pahlow wird der Samen als Tee gegen chronischen Husten heute noch empfohlen. [38]

 

Bei Madaus und Willuhn [1] [4] [25] [39] [40] wird über gelegentlichen Einsatz bei Magen- und Darmbeschwerden sowie bei Ulcus ventriculi (=Magengeschwür) berichtet. Für oral verabreichte wässrige Extrakte wurde an Ratten eine Förderung der Heilung von Magenulzera nachgewiesen [39]. Die Erwähnung als Milzmittel hängt vielleicht mit der beobachteten Vermehrung der Erythrozyten zusammen.

 

Aus der ungarischen Volksmedizin ist der Einsatz gegen Darmleiden und Koliken bekannt [1]. Die Anwendung bei Gastritis ist der entzündungshemmenden Wirkung zuzuschreiben.

 

In der Offenlegungsschrift des Deutschen Patentamtes 20 62 080 [7] ist Bockshornkleesamen Bestandteil eines mineral-vegetabilen Medikamentes zur Behandlung der Struma (=Drüsenschwellung/Kropf). Es handelt sich hierbei um ein Medikament in der Form „zum Schlucken bestimmter Konfitüre“, die u.a. Honig, Wachholderbeeren, Zimt, Eisenoxydhydrat, Johanniskrautblüten, einem Extrakt aus Schalen bitterer Apfelsinen und natürlich Samenkörner von Bockshornklee enthält. Letzteres dient als Aufbaumittel für den Allgemeinzustand und zur Stärkung der Gallenausscheidung.

 

In einer weiteren Offenlegungsschrift [5] wird über klinische Ergebnisse über die Senkung des Blutalkoholgehaltes auf die Hälfte bei Gabe von 10 g Bockshornkleesamen berichtet. Weiter wird aufgeführt, dass bei Patienten mit toxischer Leberschädigung nach täglicher Gabe einer Zubereitung aus 10 g Bockshornkleesamen die pathologischen Leberwerte (Y-GT; SGOT und SGPT) deutlich gebessert waren.

 

„German Bitter“ wird ein alkoholisches Bittergetränk genannt, das im Jahre 1869 in USA zum Patent angemeldet wurde. Die Zutaten sind u.a.: Anis, Orangenschalen, Bockshornkleesamen und Enzian. „German Bitter“ verspricht Hilfe gegen Rheuma, Durchfall, Darmbeschwerden, Verdauungsbeschwerden, Fieber, Depressionen, Reduzierung der Wirkung des Alkohols in wenigen Minuten und noch mehr. [12]

In Indien wird der Samen als Aromaticum, Carminativum, Tonikum und Aphrosidiacum, als Infus (= Aufguss) bei Pocken zur Kühlung eingesetzt. Bei der einheimischen Bevölkerung Ägyptens bei „Pellagra“ (=Erkrankung, die durch einen Mangel an Vitamin B3 (=Niacin) ausgelöst wird). In der nordafrikanischen Medizin wir er als Anthelminticum und Purgans eingesetzt; ein Infus der gerösteten Samen soll bei „Dysenterie“ (=bakterieller Durchfall) helfen. Ferner findet man Hinweise des Einsatzes als Insektizid.

 

Die Droge hat antimikrobielle, cholesterol- und blutzuckersenkende sowie appetitanregende Eigenschaften [4].

 

In der englischen medizinischen Zeitschrift Lancet wird in der Ausgabe vom 16. September 1967 in einem Brief an den Herausgeber [13] berichtet, dass der Bockshornkleesamen eine Blutzucker senkende Wirkung hat, die dem Inhaltsstoff Trigonellin zugeschrieben wird. Viele Yemeniten in Israel nutzten diesen therapeutischen Effekt, der zuerst von Fournier im Jahre 1948 beschrieben wurde.

 

Bockshornsamen zeigen in vive im Tierversuch und in humanpharmakologischen sowie klinischen Studien cholesterol- und blutzuckersenkende Eigenschaften. Nach der Einnahme der Droge wird dosisabhängig der Gesamtcholesterolspiegel gesenkt, wobei LDL-, VLDL- und Triglycerid-Werte abnehmen, der HDL-Wert aber unverändert bleibt. Diese Effekte waren vor allem bei saponinreichen Extrakten zu beobachten. Auch fasereiche Extrakte zeigten signifikante cholesterolsenkende Wirkungen. [4]

 

Durch Einnahme der Droge wurden die Glucosespiegel nüchtern und postprandial gesenkt. Auch der HbA1C-Wert wurde reduziert. [4] Eine weitere Veröffentlichung zur diesem Thema findet man im Journal of Food Engineering der Universität of Gaziosmanpasa, 60240 Tasliciftlik, Tokat, Türkei 71 (2005) 37-43 [21] [38].

Wie bei vielen Naturheilmitteln ist die Liste der Indikation durch die erwähnten noch nicht erschöpft. In Afrika wird es als Aphrodisiakum eingesetzt [8]. Heute noch wird in den Ländern des Nahen Ostens und in anderen Entwicklungsländern Bockshornklee bei chronischen Erkältungen Drüsenschwellungen, Koliken, Furunkeln und ähnlichen Krankheiten angewendet. [2] [4] [38]

Antimikrobiel/es Spektrum, empfindliche Erreger
Ein saponinreicher ethanolischer Trockenextrakt von Bockshornsamen hemmt das Wachstum von Pilzen (Candida sp.) und Bakterien (Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus, Streptococcus faecalis) mit einer MHK50 von 1,25%. Isoliertes Fenugreekin hemmt die Replikation von Vacdnia Virus [4].

 

Antimikrobie/es Spektrum, mäßig empfind. Erreger
Ein ethanolischer Extrakt der Droge zeigt geringe antibakterielle Wirkungen gegen Bordatella bronchiseptica, Bacillus cereus, B.pumilis, B.subtilis, Micrococcus flavus, Staphylococcus aureus, Sarcina lutea, Escherichia coli und Proteus vulgaris [4].

 

Im Anschluss werden alle genannten Wirkungen nochmals in Kurzform aufgeführt.

 

Zur inneren Anwendung:

bei Zungenlähmung nach Schlaganfall

klärt die Stimme

verbessert den Geruch des Atems

hilft bei Blasenkrankheiten

hilft bei Myalgien (=Muskelschmerz)

wirkt lindernd bei Lymphadenitis, Unterstützend zu einer Diät bei der Behandlung der Hypercholesteroiämie [4]

bei Lungentuberkulose, Lungenemphysem und Erstickungsanfällen [1]

bei Brustverschleimung und Husten [1] Mucilaginosum bei Katarren der oberen Luftwege [21] [25]

für die Milz [1] [4] [25]

bei Fieber, Magen- und Darmbeschwerden und Ulcus ventriculi [4] [21]

nimmt Appetitlosigkeit; (Tagesdosis 6 g der zerkleinerten Droge oder galenische Zubereitungen) [2] [21]

bei Rachitis bei Kindern

bei Skulfulose

Gehirntuberkulose, Hinfälligkeit

zur Senkung des Blutzuckerspiegels bei Diabetikern. [4] [21] [25]

Steigert die Abwehrkräfte

Blutreinigend

Hauttuberkulose, Lupus

Homöopathie: Erkältungskrankheiten, Grippe, Blutreinigend [2]

Stärkung der Gallenausscheidung [7], besserer Gallenfluss [21]

Senkung des Alkoholspiegels [5]

Wirkt toxischen Leberschädigungen entgegen [5]

Aphrosidiacum [4] [8]

Antimikrobielle Eigenschaften [4]

Lipid- und Cholesterolspiegelsenkende Eigenschaften [4] [21]

Einsatz bei Nervenkrankheiten [25]

Bei Lebererkrankungen [25]

In der Rekonvaleszens, Stärkungsmittel, wirkt Aufbauend [4] [21] [25]

Förderung der Milchproduktion der Brustdrüsen [21]

Bockshornkleesamendiät zur Nierensteinprophylaxe [21]

gesteigerte Lipidperoxidation im Blut wurde durch Gabe von Bockshornkleesamen verringert und die Konzentration an im Blut zirkulierenden Antioxidanzien erhöht [21]

wirken antiphlogistisch - entzündungshemmend

wird bei Pellagra (=Mangel an Vitamin B3) eingesetzt [25]

positive chronotrope Wirkung auf das Herz [39]

stimulierende Wirkung auf den Uterus und den Darm [39]

Zur äußeren Anwendung:

von einer Abkochung zur Zerteilung von Geschwüren [1] [31]

des Samens äußerlich bei Hämorrhidalbeschwerden [1] [2]

eines Breies als Umschlag auf Geschwülste [1]

zur Heilung von Wunden [1] Breiumschlag bei lokalen Entzündungen (50 g auf 250 ml Wasser, 5 Minuten kochen und warm auftragen [21]

gegen eitrige Wunden jeder Art, Furunkel und Karbunkel, daher Hilfe gegen Blutvergiftung. [1] [4]

gegen Milben und Kopfschuppen [1] [38]

gegen eitrige Zellgewebsentzündungen und Lymphknotenerkrankungen [38]

gegen Furunkel, Ulcera und Ekzeme [1] [4]

als Salbe zur Reinigung des Hauptes [38]

mit Rosenöl gesotten gegen unreine Haut und zur Hautverjüngung [1]

als Breiumschlag gegen gichtische Schmerzen, Neuralgien, Ischias, Drüsenanschwellungen, verhärtete skrofulöse Knoten in der Brust, Fistelbildungen,Knocheneiterungen, offene Füße, Oberschenkelgeschwüre und Tumore. [1] [2] [4]

ein schleimiger Tee gegen Fuß- und Handschweiß [1] [2]

als Pflaster gegen Milzschwellung [1] [4] [25]

als Einreibung gegen Kropf [2]

zum Gurgeln bei entzündliche Rachen, der Mundschleimhaut, Angina und Mandelentzündung [1] [4]

mit Olivenöl gegen Haarausfall und für Haarneuwuchs. [1]

Als Klistiere bei Aftervorfall, bei Verstopfung, Darmtuberkulose, Prolapsus ani und bei Mastdarmkrebs. [1]

Panaritium, [1]

Bei Blähungen in den Dünndarm eingeführt [25]