Wirkung und Anwendung

Hier wird im Folgenden aus mehreren anerkannten Fachbüchern berichtet, die sich teilweise wiederholen:

 

Ähnlich wie bei den Galactomannanen des Guar könnte durch den Schleim die Diffusionsschicht auf den Mucosazellen verdickt und die Resorption der Nahrungsstoffe verzögert werden. Das gleiche Wirkprinzip dürfte auch den nachgewiesenen hypocholesterinämischer Effekten zugrunde liegen. Bei normalen und hypercholesterinämisch gemachten Ratten, deren Nahrung zur Hälfte aus Bockshornsamen bestand wurde der Serumcholesterinspiegel auf die Hälfte gesenkt. Zur Nahrung zugegebener entfetteter Samenextrakt verhinderte bei Verabreichung vor hypercholesterinämischer Nahrung eine Erhöhung des Cholesterinspiegels. Die Lipidfraktion und Trigonellin zeigten diese Wirkung nicht. Für Foenugraecin wird eine hypoglykämische Wirkung diskutiert; es soll auch virustatische, antiphlogistische und kardiotone Eigenschaften haben. Desgleichen wirken auch Steroidsaponine antiphlogistisch und antimikrobiell. Für wässrige Extrakte des Samens wurde eine stimulierende Wirkung auf den Uterus und den Darm sowie eine positiv chronotrope Wirkung auf das Herz nachgewiesen . Der Nicotinsäureamidgehalt ist für eine Antipellagra-Wirkung zu gering; ein Provitamincharakter von Trigonellin ist wenig wahrscheinlich und wird unterschiedlich bewertet [4][39].

 

Der Droge wird eine Antipellagrawirkung zugeschrieben (evtl. über Trigonellin, da der Gehalt an Nikotinsäureamid zu gering ist). Ferner wird über eine blutzuckersenkende Wirkung von oral zugeführten Präparaten berichtet. Die der Droge zugeschriebenen galaktagogen Eigenschaften sollen durch einen im Unverseifbaren des fetten Öls enthaltenen, in W. und A. unlöslichen Laktationsfaktor bedingt sein. Es wurde eine deutliche Besserung des Allgemeinbefindens, Zunahme des Körpergewichts, bessere Eiweißausnutzung, Beschränkung der Phosphorausscheidung und mäßiges Ansteigen der Erythrocytenzahl beobachtet. Nach ABDO und AL.KAFAWI (Planta med. 17, 14 (1969)) wirken Samenextrakte anregend auf den Uterus und Darm beim Meerschweinchen und beschleunigen den Herzschlag. [4]

Wegen seines Gehaltes an Bitterstoffen, Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten, verstärkt durch die resorptionsfördernde Wirkung der Saponine innerlich (esslöffelweise mehrmals täglich eingenommen) als Roborans bei Skrofulose, tuberkulösen Knochenerkrankungen der Kinder, Osteomyelitis u. a., und in der Rekonvaleszenz. Der unangenehme Geruch lässt sich durch Ol. Citri oder Ol. Menthae verdecken [1] [2] [4].

 

Weitere Wirkungen: Auf Grund des aromatischen, leicht bitteren Geschmacks der Bockshornkleesamen ist appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung anzunehmen. Bei Aufnahme größerer Mengen der zerkleinerten Samen, z. B. als Stärkungsmittel, sind Verdauungsstörungen auf Grund des Gehaltes an Proteinaseinhibitoren denkbar. Ob die Proteinaseinhibitoren beim Kochen zerstört werden, wurde bisher nicht untersucht.

 

Durch Gabe protein- und fettfreier Samenextrakte (Gehalt an Saponinen 12,5%, an 4,5-Dimethyl- 3-hydroxy-2(5H)-furanon 0,002%, 10 oder 100 mg/300 g KG pro Tag im Futter, über 14 d) konnte bei Ratten Steigerung der Nahrungsaufnahme um 20% hervorgerufen werden]. Isolierte Saponine (12,5 mg/300 g KG) hatten den gleichen Effekt. Bei Ratten wurde nach Gabe von Bockshornkleesamenpulver (50 bzw. 200 mg/Tier, p.o.) eine Förderung des Galleflusses um 29 bzw. 35% nachgewiesen.

 

Die Droge wirkt antiulzerogen. Durch die Verabreichung wässriger Extrakte wurde die Heilung von Magengeschwüren bei Ratten gefördert.
In Tierversuchen und beim Menschen erniedrigten Gaben von Bockshornkleesamen den Blutzuckerspiegel. Beispielsweise konnte bei nicht insulinpflichtigen Diabetikern der Blutzuckerspiegel bei Zusatz von 15 g Bockshornkleesamenpulver zur Mahlzeit um 25%, bei insulinpflichtigen Diabetikern bei 2-mal 50 g Bockshornkleesamenpulver täglich um 20% gesenkt werden. Ähnlich wie andere Schleimdrogen erhöht die Droge die Viskosität des Darminhaltes und verzögert somit durch Verringerung der Diffusionsgeschwindigkeit der Nahrungsbestandteile die Resorption. Dadurch wird das Auftreten von Glucosekonzentrationsspitzen im Blut nach der Nahrungsaufnahme verhindert. Die an Schleimstoffen reiche Endospermfraktion der Samen ist daher am wirksamsten. Proteine und Saponine sind für die Wirkung ohne Bedeutung. Ethanolische Extrakte (von Schleimstoffen frei!) sind ohne Effekt.

In Tierversuchen und beim Menschen senkten die Bockshornkleesamen den Lipid- und Cholesterolspiegel des Blutes. Auch isolierte Saponine (12,5 mg/300 KG pro Tag, p.o.) erniedrigten bei Ratten den Blut-cholesterolspiegel. Vermutlich verhindern die Saponine durch Komplexbildung mit dem Cholesterin dessen Resorption und durch Reaktion mit Gallensäuren deren Rückresorption. Nach Gabe von täglich 2-mal 50gr. Bockshornkleesamenpulver war bei Diabetikern und Menschen mit erhöhten Blutfettwerten nach 10 bis 20 Tagen der Cholesterolspiegel um etwa 25%, der DL- bzw. VLDL-Spiegel um 30% und der Triacylglycerolspiegel um 18 bzw. 28% gesenkt. Der HDL-Spiegel blieb unverändert.

 

Bei diabetischen Ratten wurde die im Vergleich zu gesunden Tieren gesteigerte Lipidperoxidation im Blut durch Gabe von Bockshornkleesamen verringert und die Konzentration an im Blut zirkulierenden Antioxidanzien erhöht.
Bei Ratten, die mit einer 3 % Glykolsäure enthaltenden Diät gefüttert wurden, die zur Ablagerung von Calciumoxalat in den Nieren führt, konnte diese Ablagerung durch Gabe von Bockshornkleesamen (500 mg/kg KG, p.o., über 4 Wochen) reduziert werden.

 

Saponine der Droge und Foenugraecin wirken antiphlogistisch. [21]